All tagged Roman

#52 Judith Schalanksy: Verzeichnis einiger Verluste

Hören wir die Klage, die von dem Satz ausgeht? Dass die Welt nur um das Bekannte zu trauern vermag? Denn wie könnten wir das Unbekannte auch betrauern? Mit welchen Vokabeln ritualisierten wir dann unser Gedenken der Dinge, die wir nicht kennen? Wie würdigten wir im Anschluss mit unserem Schreiben auch das Ungeschriebene?

#51 Heinz Helle: Die Überwindung der Schwerkraft

Den Raum der Leere können wir nicht bewohnen. Wir können ihn nicht von innerhalb denken, sondern nur von außerhalb, stellen ihn uns vor als Leer___stelle, eine Lücke, die der Teufel lässt, um uns zu ärgern. Wenn es ein Motiv gibt, das Heinz Helles neuer Roman, Die Überwindung der Schwerkraft, antastet, dann ist es dieses. Der Moment, in dem wir sprechen, ohne zu wirken, Sinn produzieren, der sich für den einen, um den es wirklich geht, verspätet und darum uns alle betrifft.

#42 Christian Kracht: Faserland

Kaum ist er an einem Ort angekommen, zieht es ihn weiter. Immer weiter. Rast kennt er nicht, Halt kennt er nicht. Unter seinem Blick beginnt das Land zu zerbröckeln, bis nicht mehr viel von ihm übrig ist. Natürlich ist das keine Kaffeefahrt. Faserland ist die Geschichte einer Flucht, in der alles verschlungen wird. Erst er, der namenlos Hetzende und mit ihm, die Lesenden. Der Text hat sie sich einverleibt. Er wird auch vor ihnen nicht Halt machen.

#34 Albert Camus: Der Fremde

In seiner als »zärtlich« empfundenen Zuwendung zur Welt gelingt Meursault die Überbrückung des finsteren Abgrunds der Gleichgültigkeit, den zuzuschütten er und auch sonst niemand im Stande ist. Obwohl alle anderen Menschen diese Lage mit Meursault teilen, führen deren Wege anders über den Abgrund als der seine. Zu einem Schulterschluss kommt es daher nicht. Meursault bleibt den Menschen fremd.

#21 Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita

Den beiden Schriftstellern beim anfänglichen Spazieren lesend zuzusehen, bleibt die beruhigendste Sequenz des gesamten Buchs. Was danach kommt, gleicht einem wilden Ritt durch alle Möglich- und Unmöglichkeiten menschlichen Lebens, Liebens und Glaubens in der russischen Gesellschafts- und Lebenswelt der 1930er Jahre.

#7 Mathias Énard: Kompass

Aus Énards Dankesrede, die er zur Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung hält, stammt die abgründige Metapher: »Es scheint so, als hätten die politischen Kommentatoren dieser Tage vergessen, wer Europa war.«