All tagged Feminismus

#49 Kathleen Collins: Nur Einmal

Collins sieht mit den Augen einer Regisseurin. Ihre Sätze sind wie Bilder übergangslos aneinandergeschnitten. Manchmal klingen sie nach einer Regieanweisung: Jetzt mehr Licht auf ihn. Manchmal scheint es, besonders in den ersten Erzählungen des Buchs, als hätte die Kamera zu einer Sprache jenseits ihrer Bildsprache gefunden. Als wären die Augen von Kathleen Collins zwei mächtige Scheinwerfer, die durch die Dunkelheit brechen und die Kamera stünde neben ihnen und zeichnete alles auf und diktierte: Sie bleibt im Halbdunkel zurück und sucht die Gefühle, die früher den Raum erhellten. Als wären die Absätze Bilder und jeder Text eine Collage.

#48 Mascha Kaléko: Mein Lied geht weiter

Was so beeindruckt, ist Kalékos Gabe, im Alltäglichsten, im Kleinsten, das literarisch Anmutige und Große zu entdecken. Es lyrisch aufzudecken für den Leser, der sich zugleich darin, im Kleinen, wiederfindet und von sich selbst, im Großen, entfremdet sieht. Ist das alles nur aufgebauscht?, könnte man fragen, womöglich ein Hineindichten von großen Lebensthemen in alltägliche Ereignisse, die damit wenig zu tun haben? Nicht, was es scheint also, ein Zaubertrick?

#47 Chris Kraus: I Love Dick

Sie empfindet sich als der uninteressante Anhang ihres weitaus interessanteren Mannes, der an der Columbia-Universität in New York eine Professur für Literaturwissenschaft innehat. Sie kann sich nur auf engem Raum künstlerisch entfalten, das heißt: sie kann sich nicht künstlerisch entfalten. »Es ist nicht mein Fehler!«, sagt Sylvère zwar richtig; aber es ist auch nicht, schon gar nicht, ihrer. Die Beziehung ist unmöglich (geworden). Sie stehen vor dem Abgrund der Aporie.