All tagged Buch der Woche

#34 Albert Camus: Der Fremde

In seiner als »zärtlich« empfundenen Zuwendung zur Welt gelingt Meursault die Überbrückung des finsteren Abgrunds der Gleichgültigkeit, den zuzuschütten er und auch sonst niemand im Stande ist. Obwohl alle anderen Menschen diese Lage mit Meursault teilen, führen deren Wege anders über den Abgrund als der seine. Zu einem Schulterschluss kommt es daher nicht. Meursault bleibt den Menschen fremd.

#21 Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita

Den beiden Schriftstellern beim anfänglichen Spazieren lesend zuzusehen, bleibt die beruhigendste Sequenz des gesamten Buchs. Was danach kommt, gleicht einem wilden Ritt durch alle Möglich- und Unmöglichkeiten menschlichen Lebens, Liebens und Glaubens in der russischen Gesellschafts- und Lebenswelt der 1930er Jahre.

#14 Maxim Biller: Hundert Zeilen Hass

Biller zu hassen ist ein Reflex auf Billers Hass. Billers Hass im Gegensatz ist, genau betrachtet, ein Strategem. Biller kann, was die meisten von uns nicht können: Biller hasst mit Plan – immer gründlicher und immer besser begründet, schöner und ansprechender sowieso.

#12 Victor Hugo: Die Arbeiter des Meeres

Sie klagen uns an, die Bücher, die wir nicht gelesen haben – weil sie auf das verweisen, was wir nicht kennen, sehen, verstehen – weil sie unsere persönliche Habenseite immer zu übertreffen scheinen. Victor Hugo steht in jedem Falle im Inneren jenes mythischen kanonischen Zirkels.

#10 Simon Strauß: Sieben Nächte

Es ist Nacht. Ein junger Mann namens S sitzt am Schreibtisch, leere Blätter Papier vor sich ausgebreitet und bereit zur Niederschrift. Das klingt nach einem Anfang. Doch einen solchen sucht man in Simon Strauss' knapp 140 Seiten umfassendem Buch vergebens.

#8 Kamel Daoud: Der Fall Meursault

Daoud hält jenen, die den von Albert Camus verfassten Klassiker des Existenzialismus, Der Fremde, gelesen und geliebt haben, und sich niemals die Frage nach dem Namen und der Geschichte des erschossenen »Arabers« stellten, einen Spiegel vor.

#7 Mathias Énard: Kompass

Aus Énards Dankesrede, die er zur Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung hält, stammt die abgründige Metapher: »Es scheint so, als hätten die politischen Kommentatoren dieser Tage vergessen, wer Europa war.«