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#52 Judith Schalanksy: Verzeichnis einiger Verluste

Hören wir die Klage, die von dem Satz ausgeht? Dass die Welt nur um das Bekannte zu trauern vermag? Denn wie könnten wir das Unbekannte auch betrauern? Mit welchen Vokabeln ritualisierten wir dann unser Gedenken der Dinge, die wir nicht kennen? Wie würdigten wir im Anschluss mit unserem Schreiben auch das Ungeschriebene?

#48 Mascha Kaléko: Mein Lied geht weiter

Was so beeindruckt, ist Kalékos Gabe, im Alltäglichsten, im Kleinsten, das literarisch Anmutige und Große zu entdecken. Es lyrisch aufzudecken für den Leser, der sich zugleich darin, im Kleinen, wiederfindet und von sich selbst, im Großen, entfremdet sieht. Ist das alles nur aufgebauscht?, könnte man fragen, womöglich ein Hineindichten von großen Lebensthemen in alltägliche Ereignisse, die damit wenig zu tun haben? Nicht, was es scheint also, ein Zaubertrick?

#25 Andrej Tarkowskij: Die versiegelte Zeit

Wer sich zum ersten Mal einen Film von Tarkowskij ansieht, wird wohl erstaunt sein: da ist viel Ruhe, wenig bis gar keine Dramaturgie. Momentaufnahmen von bestechender Schönheit – man nehme sich nur einmal der Schlussszene im Film »Nostalghia« an, in der man Zeuge der ungewöhnlichen, ergreifend andächtig inszenierten Handlung eines Mannes wird, der, eine brennende Kerze in Händen wiegend, ein stillgelegtes Thermalbecken durchschreiten möchte.

#10 Simon Strauss: Sieben Nächte

Es ist Nacht. Ein junger Mann namens S sitzt am Schreibtisch, leere Blätter Papier vor sich ausgebreitet und bereit zur Niederschrift. Das klingt nach einem Anfang. Doch einen solchen sucht man in Simon Strauss' knapp 140 Seiten umfassendem Buch vergebens.