#5 Christopher Hitchens: Letters To A Young Contrarian

#5 Christopher Hitchens: Letters To A Young Contrarian

 
  Christopher Hitchens,  Letters To A Young Contrarian  (New York: Basic Books, 2001).   Buch der Woche vom 29.07.2017

Christopher Hitchens, Letters To A Young Contrarian (New York: Basic Books, 2001).
Buch der Woche vom 29.07.2017

Rilke antwortet in »Briefe an einen jungen Dichter« an den angehenden Poeten Franz Xaver Kappus nur, um zuzugestehen, dass er nicht entscheiden kann, ob der junge Franz das Zeug zum Dichter hat oder nicht. In diesem Tenor wendet sich auch Christopher Hitchens in seinem Brief an die jungen »Contrarians«, angelehnt an Rilkes Briefe. Eine Anleitung zum Widerstand gibt es nicht. Hitchens will eine Denkhaltung etablieren, keine Meinungen. Der britisch-US-amerikanische Intellektuelle schreibt eigentlich keinen Brief. Es ist ein Essay. Es ist ein virtouser und quellenreicher Versuch, jungen Menschen in ihrer Leidenschaftlichkeit zu helfen, aus der sich ein Denken entfalten kann. Dafür installiert Hitchens verschiedene Denkfiguren: Licht entsteht nie ohne ihren Abfall ›Wärme‹, ein interessanter Gedanke kommt also nie ohne Reibungsverluste aus; es ist unerheblich, womit man sich beschäftigt, es zählt, »wie« man es tut. Oder Hitchens bemüht Vaclar Havels as if-principle: Wir müssen so leben, im Beispiel von Rosa Parks, als dürfte eine hart arbeitende dunkelhäutige Frau sich am Ende ihres Arbeitstages in den Bus setzen. Wir müssen so leben, als ob Gerechtigkeit möglich wäre, um sinnvoll Widerstand zu leisten.
Hitchens zu lesen, heißt immer auch seine Lektüren mitzulesen – er zitiert und verweist stets auf seine Autoren und Heldinnen (»to lighten my text and make use of those who can express my thoughts better than I am able to«). Vielleicht ist das Großartige dabei vor allem, dass er immer wieder aus den geistigen Rändern schöpft. Etwa vom ungarischen Schriftsteller George Konrad übernimmt er den klugen Satz, der sich dann wirklich als eine Lebensmaxime eignet: »Have a lived life instead of a career. Put yourself in the safekeeping of good taste. Lived freedom will compensate you for a few losses. . . . If you don’t like the style of others, cultivate your own. Get to know the tricks of reproduction, be a self-publisher even in conversation, and then the joy of working can fill your days.« Ein unerreichter »self-publisher in conversation« war auch Hitchens. Ausgerechnet er, das rhetorische Genie, verstummte zehn Jahre später an Kehlkopfkrebs.

 
#6 W. G. Sebald: Austerlitz

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#4 Gloria Anzaldúa: Borderlands/La Frontera

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