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#17 Tuvia Tenenbom: Catch the Jew

#17 Tuvia Tenenbom: Catch the Jew

 
  Tuvia Tenenbom,  Catch the Jew     (Jerusalem: Gefen Publishing, 2015)   Buch der Woche vom 18.03.2018

Tuvia Tenenbom, Catch the Jew
(Jerusalem: Gefen Publishing, 2015)
Buch der Woche vom 18.03.2018

 

Der Titel ist programmatisch – in diesem Buch werden Juden gefangen. Nicht körperlich, natürlich, aber Tuvia Tenenbom fängt ein wie widersprüchlich und anmaßend sich manche Juden verhalten, auf die er in seinem Buch trifft. Und das Erstaunlichste daran ist, dass Tenenbom aus den eigenen Reihen das Feuer eröffnet: Er entstammt einer rabbinischen Familie, die eine rabbinische Familie hatte, die eine rabbinische Familie hatte. Damit führte sein Weg von Anfang an in eine Richtung. Rabbiner zu werden. Aber wer liest, wie Tenenbom beobachtet, merkt schnell, dass sich ein vorbestimmter Lebensweg für diesen Querulanten wie ein Leidensweg anfühlt, den man verlassen sollte, wenn man kann. Und er konnte. Anders als Jesu Christi, auf dessen nachgebildeten Leidensweg in der Jerusalemer Altstadt, der Via Dolorosa, sein Buch beginnt. Wie die Altstadt hat auch das Buch verschiedene Gates. Je nachdem, durch welches Tor man die Altstadt betritt, gelangt man in eine arabische oder christliche oder jüdische Lebenswelt. Und so ähnlich verhält es sich in dem Buch, dass man durch die Gates, die die Kapitel sind, so unterschiedlich erlebt, dass man glauben könnte, die Erzählungen verweisen nicht auf das gleiche Ereignis. 
Dass sie es aber tun, lernen wir beispielsweise, wenn wir durch Gate 24 eintreten. »Israel and Palestine is not about good guys and bad guys, it is a clash between two perfectly valid claims on the same country.« Das sagt der israelische Schriftsteller Amos Oz, dessen versöhnliche Art Tenenbom schon im Naturell problematisch findet. Tenenbom ist nicht nur prinzipiell kritisch gegenüber den Israelkritikern, zu denen er Amos Oz zweifellos zählt, sondern auch gegenüber den israelfreundlichen Positionen. Gefährlich sind besonders die Positionen der gefühlten Mitte, weil sie nur lavieren, wo man sich entscheiden muss. Da fragt man sich: Was ist dann eine angemessene Position? Wie man Tenenbom auch begegnet, er ist unzufrieden. 
Drei Beispiele: Die latent pro-palästinensischen NGOs in Israel und Palästina werden allesamt mit der Frage vorgeführt, was denn geschähe, wenn sie ihr erklärtes Ziel verwirklichten und eine Gleichstellung von Arabern und Juden herstellten. Wie würden die Juden (dann als Minderheit) in diesem Dschungel leben? Die Frage ist natürlich suggestiv, sie würden gar nicht dort leben können, glaubt Tenenbom. Den Vertretern liberaler Positionen, die er mit starker Realitätsferne abbildet – Positionen, die für ihn intellektuell sind, also nur am Schreibtisch gewonnen wurden und nicht durch Fußmärsche und wache Augen – stellt er die Fragen häufig ohne Erkenntnisinteresse. Er will nur ihre Unvollständigkeit aufzeigen. Du bist also kritisch gegenüber den Siedlungsplänen der israelischen Regierung, fragt Tenenbom, und setzt dich für Palästinenser ein? Ja? Sprichst du Arabisch? Nein? Und wie viele deiner Freunde sind denn Palästinenser? Die ultraorthodoxen Juden kommen ähnlich schlecht weg. Tenenboms Position zu ihrer ›Uniform‹ lässt sich so zusammenfassen: »Moses didn't wear them«. 
In diesem Ton seiner ehemaligen Zeitkolumne Fett wie ein Turnschuh läuft Tenenbom ausdauernd die meisten Stationen dieses Landes ab. In 500 Seiten gelingt ihm ein polemisches, aber überraschend vielschichtiges Portrait von Israel. In einer Steinschlacht an einem israelischen Checkpoint lässt sich manches über dieses Land verstehen. Und dabei wird im Laufe des Buches deutlich, dass seine zynische Art nicht nur sehr lustig ist, sondern sogar angemessen für das Thema, auf das sie sich richtet. Die unerträgliche Hitze der widerstreitenden religiösen, politischen und sozialen Auseinandersetzungen, die so tiefgreifend den Nahen Osten spalten, werden von der humoristischen Hand Tenenboms gekühlt. »In one country God doesn't like you to consume food, in the other country He doesn't like you to buy food.« Mit diesen Worten verlässt er das muslimische Ramallah, wo Ramadan ist und fährt ins jüdische Jerusalem, wo der Schabbat beginnt. »And if you think this difference is not a question of life and death, you better take the first plane out of here.«

 
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