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Wir freuen uns über die Einsendung von Texten für die Ebenen (Essays) und Gärten (Prosa und Lyrik) sowie über Gastrezensionen in der Sentimenthek.

Alle in den Räumen von Prä|Position publizierten Texte durchlaufen ein Lektorat.

Schreiben Sie uns gerne an info@praeposition.com.


 

Willemsens Dreizehn Regeln

1. Sitzen Sie gerade. Am besten, Sie suchen auch innerlich nach einer Haltung, die noch nicht war.
2. Gut schreiben ist etwas Anderes als flott schreiben. Entscheiden Sie sich.
3. Tun Sie nicht so unschuldig! Leisten Sie sich eine hohe Meinung vom Umgang mit Ideen. Alles wird besser, wenn es gut gedacht ist.
4. Schreiben ist eine Organisation von Informationen. Misstrauen Sie Ihrem Stoff, vertrauen Sie Ihrer Form, und lernen Sie erst einmal die Stimme kennen, die spricht.
5. Streichen Sie die Hälfte aller spontan kommenden Adjektive, nennen Sie Cognac niemals eine »scharfe, bernsteinfarbene Flüssigkeit«, lassen Sie die Parataxen nicht schnurren wie eine Angelschnur und schon gar nicht die Vergleiche.
6. Wo Sie unsicher werden, belassen Sie es bei einem Satz pro Gedanke.
7. Große Gefühle und gedehnte Beobachtungen machen einen Text nicht groß, sondern erstmal gedehnt.
8. Sie müssen Beides und Beides sogar zugleich können: kurz sein und genau sein. Wenn Ihnen Genauigkeit nichts bedeutet, taugen Sie nicht mal zum Unterhalter.
9. Hören Sie abends immer bei einer leicht zu schreibenden Passage auf, damit Sie am nächsten Morgen desto leichter wieder in ihr Manuskript finden.
10. Wenn Sie langweilen, tun Sie es mit Programm, wenn Sie kein Programm haben, tun Sie es mit Überzeugung.
11. Suchen Sie Wirkung, nicht Effekt. Kein Text taugt, der nicht an der Erfindung der Innenwelt seines Lesers teilnimmt.
12. Lassen Sie keinen möglichen Leser ein, weder als Wille noch als Vorstellung. Halten Sie Begutachter fern. Scheuen Sie nicht Tod noch Rezensenten. Und Ihr heroisches Selbstgefühl dabei können Sie sich auch abschminken.
13. Nur als werdender Text ist der Text fertig. Er wird erst, was er ist, indem er das Produktivwerden in der Lektüre stimuliert. Er ist nicht das Hervorgebrachte, sondern das Hervorbringende.

(Roger Willemsen, »Ankleben verboten!«, in: Neue Rundschau 3/2011)