Auf der Ebene ist jeder Schritt eine riskante Entscheidung. Unsere Essays und Gespräche geben Orientierung.

Die Gärten sind Räume der Phantasie und der Geschichten. Wo Seltenes sprießt, sind die Schreibenden Gärtner:innen und die Leser:innen jene, die sich gern verirren. Prosa und Lyrik sind hier an ihrem Platz.

In Passagen begegnen wir uns. In diesem Raum der Aphorismen sind kleine Stücke aus Literatur und Philosophie ausgestellt und kommentiert.

Die Sentimenthek ist eine Bibliothek der guten Bücher und unserer sentimentalen Gefühle für sie.

Die Wanderung

Die Wanderung

 © Alexia Fenchel (2017)

© Alexia Fenchel (2017)

Ich schreibt
Tamtam, tam, tamtam
Stimmlos, zu tief im Fleisch
Kreisende Bewegung
die nicht ruhen mag.

Wahnsinnige Welten
–––––– mit wahnsinnigen Gedanken
die sich einbrennen
wie glühend heißes Eisen
wie stechende Kabel ––
und das frisch geschliffene Messer
(das nicht gespült werden darf)

Versprich
–––––– dich nicht
wenn Maske deine Haut berührt.
Hand von dir zu mir
immer wieder ––
Ich liebe das Fleisch
die Haut mit und ohne Maske.

Schreibt, schreibt, schreibt
Tamtam, tam, tamtam

Aber nicht von der Haut
–––––– soll eine Stimme ertönen
Hand und Hand
möchte sich nun halten,
brückenlose Zuversicht
triefende Romantik
die eben nicht auszumerzen ist
und gar wunderschön ––

Ich schreibt
Tamtam, tam, tamtam
(Fleisch. Stimme)

Vernunft verschiebt
–––––– Ebene über Ebene
Schrei. Stummer Blick
Liebesbedürftige Hand,
die nicht erwidert,
nicht genommen wird
Leichtes Segeln
auf Wolken voll Blut

Fluß ist besser als Stillstand
–––––– Still stehen
Messerstiche im bodenlosen Raum ––
also kein Boden
nur Raum
(den ich nicht füllen kann)

Selige Sehnsucht
Ich will
Zuckender Körper
Ich will
Reproduktion
Suche

Lesart

Lesen Sie dieses Gedicht! Die Autorin zeigt sich nackt. Wir lesen Sie und lesen ihre Methode. Wir sollen wissen: Text meint Leid und hier, mehr als woanders, wurde gelitten. Doch etwas bleibt ungesagt und verheimlicht. Sie spricht über sich, und wahrscheinlich über all die, die sind wie sie. Sie spricht darüber, was es heißt zu schreiben, zwischen Wahnsinn und Sehnsucht. –– Dann blitzt das Messer und wir sehen Blut. 
Die Autorin rotiert, doch wir sollten uns keine Illusionen machen: sie wird schließlich nicht der Propeller sein, der aufsteigt, sondern der Kreisel, der kippt. Sie weiß das und doch macht sie weiter, auf der Suche nach dem wahren Text, der keine Frage offen lässt. Und was bedeutet schon ihr augenblickliches Scheitern, sofern sie noch gewinnen kann? Hier bleibt Margo Damm in ihre Scham gehüllt, schreibt – so scheint es – den französischen Literaten hinterher. Wie bei so vielen besteht ihr Geheimnis wohl in all den Dingen, die sie sagen möchte, aber nicht kann, oder, schlimmer noch, von denen sie nie wird wissen können, ob sie von Anderen jemals begriffen werden. Vielleicht sollte man ihr daher die Worte Emily Dickinsons leise ins Ohr flüstern:

Down Time’s quaint stream
Without an oar
We are enforced to sail
[…]
Without a surety from the wind
Or schedule of the tide.

Nicht nur auf das Loslassen, sondern das So-Stehenlassen kommt es an. 
(Holm-Uwe Burgemann)


ÜBER DIE AUTORIN

Margo Damm weiß, dass Literatur ein Menschenherz bewegen kann. Zwischen Büchern erwachsen, studiert sie im Süden die Literaturtheorie der 70er Jahre, was insofern in die Irre führen mag, da doch die lyrische Stenographie des Alltags ihr eigentlicher Basiston ist.


Dieser Beitrag wurde betreut von Holm-Uwe Burgemann.

An das Fußbad

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Der Kuss

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