Kerstin Preiwuß

»Rede« kann eine Aufforderung sein – oder auch auf das hindeuten, was hinter dem Sprechakt der Rede steckt, wie sich eine Rede vollzieht. Das ist ein erster Moment der Verwandlung. Die Gedanken übersetzen sich in Sprache. Ganz, als müssten sie durch ein Nadelöhr durch. Dichtung ist: sagen. Das ist ein spannendes Verb. Was heißt das? Es ist noch nicht: eine Aussage treffen. Es ist aber rhythmischer und strukturierter als »sprechen«.

Juliane Rebentisch

Ich glaube, das ist überhaupt nichts, was sich von selber versteht – gegenwärtig zu sein. In der Gegenwart zu sein ist unheimlich voraussetzungsreich. Denn der Jetzt-Punkt springt immer weg. Sich die Gegenwart zu vergegenwärtigen, dazu braucht es ein Geschichtsverständnis. Sodass das Gegebene als Gewordenes erscheint und sich gegen jeden Eindruck von Stillstand durchsetzt.

Insa Wilke

Ich fühle mich den Autorinnen und Autoren, vor allem ihren Texten gegenüber verantwortlich. Der Literatur, die sich ernsthaft existenziellen Fragen aussetzt, als auch derjenigen, die Sprache nicht als Mittel zum Zweck einsetzt. Mich erschreckt, dass diese Literatur bedroht ist und ich das Gefühl habe, ihr Existenzrecht wird bezweifelt.

Sebastian Guggolz

Ich kann meinen Verlag als Erfolgsgeschichte erzählen. Mittlerweile bin ich angekommen. Ich kann weiterhin Bücher machen. Die Leute erkennen heute, was ich mache. Es hat gedauert, bis ich von jenen, die ich bewundere, als das angesprochen wurde, was ich bin. Wenn sich die Leute nun heute immer noch wundern, kratzt mich das nicht. Sie können sich ja wundern.

Fabian Saul

Die Abwesenheit muss benannt werden. Dinge, die nicht sichtbar sind, werden es in der Benennung. Es geht nicht um ein mapping, eine Kartographierung – dass man die Dinge so arrangieren müsste, wie sie meiner Vorstellung entsprechen. Es geht um eine Anhäufung von Material. Ich bin wie ein Bildhauer, der zunächst das Material zusammenfügt und dann nur noch wegnimmt. Es geht also um das Verschwinden. Wir enden immer wieder an den Enden der Stadt, in ihren Kerben, in ihren Falten.

Peter Trawny

Philosophie kann nie ein Beruf sein. Ich kann nicht Urlaub von der Philosophie machen. Ich muss mein Verhältnis zu dem Anderen und zum Weltleben auch philosophisch reflektieren und mit meinem Leben in einen Zusammenhang bringen. Es gibt nichts, was von der Philosophie nicht berührt würde. Es gibt nichts außerhalb der Philosophie.

Senthuran Varatharajah

Der Vers ist nicht nur der Bruch, er ist auch das Brechende, das Gebrochene, die Zerbrechlichkeit selbst. Ich glaube, wenn man schreibt, wenn man wirklich schreibt, wird man zu einem Vers. Wenn man philosophiert, wenn man wirklich philosophiert, ist man zu einem Vers geworden. Man muss diese Zerbrechlichkeit sein. Sie ist unerträglich.