An das Fußbad

Wann haben Sie Ihr letztes Fußbad genommen? Und wie haben Sie sich dabei gefühlt? Schuldig, schwach? Zurückversetzt in Kindertage? Auf das lyrische Ich in der Fußbadhymne An das Fußbad von Miriam Steinmacher trifft Letzteres zu.

Holunder

Es hört sich komisch an, wenn die Stimme versagt. Wenn aus dem aufgerissenen Mund nur noch ein Krächzen kriecht, unterbrochen von kurzem, heftigen Einatmen. Animalisch, auf banale Körperfunktionen beschränkt, Einatmen, Ausatmen und egal wie viel gerade raus muss, Luft kommt immer rein.

Stellen

Manchmal passiert es mir, dass ich aus Versehen lüge. Die Worte, die das Gegenteil von Wahrheit, ihre übersteigerte Form oder einfach nur ihr halben Teil sind, sind dann schneller geformt und ausgesprochen, als ich sie zurückhalten kann.

Wechselwarm

Alles was dann kam, haben Menschen schon wesentlich besser aufgeschrieben als ich es hier tun könnte. Schöne Gefühle, gute Gespräche, und die erneute Erkenntnis, dass man vollkommen vergessen hat, wie schön menschliche Nähe ist. Wie unglaublich warm ein fremder Körper sein kann und dass eine Umarmung von hinten einen vermutlich eher zu retten in der Lage ist als vieles andere, das man sonst als so wichtig einschätzt.

Der Monarch

Am Eingang hängt ein verkritzeltes gelbes Metallschild. Raucherlokal, Zutritt ab 18 Jahren. An der Kasse kurz dahinter sitzt ein Hipster in Jeansjacke. »Das Ticket kostet zwölf Euro«, sagt er unschuldig.

Die Wanderung

Lesen Sie dieses Gedicht! Die Autorin zeigt sich nackt. Wir lesen Sie und lesen ihre Methode. Wir sollen wissen: Text meint Leid und hier, mehr als woanders, wurde gelitten. Doch etwas bleibt ungesagt und verheimlicht.

Der Kuss

Und was lesen wir in der ›Leiste‹ von Der Kuss? Wir entdecken eine Frage, die den Dichter umtreibt; aber nicht nur ihn, es ist sogar, vielleicht: die Frage des menschlichen Lebens. 

Elektrische Fliegenfalle

Musil beschreibt, wie eine Fliege auf dem kanadischen Fliegenpapier ›Tangle-Foot‹ im vergifteten, gelben Leim verunglückt und schließlich mit ihren Artgenossen ersäuft, »wie gestürzte Aeroplane, die mit einem Flügel in die Luft ragen«. Wer das Banalste literaturfähig macht, ist kein banaler Autor .