Ohne Hoffnung in Biloxi

Das Meer ist noch da, natürlich, 25 Grad warm und blau und schön, doch an der Küste reihen sich Casinos auf, 13 Stück sind es inzwischen, groß und hässlich, Beton und Fenster wechseln sich ab, in grellen Farben angestrichen, die Logos in leuchtenden Buchstaben an die Wand gepappt, alle mit eigenen Hotels und Parkhäusern, und so wird die Hässlichkeit der Küste nur noch abends verdeckt, wenn es dunkel ist und die Belichtung violett. Vielleicht ist violett ja die Farbe, die Menschen zu Spielern macht.

»Come and take it«

Der junge Mann rückt seine Sonnenbrille zurecht, hebt die sperrige weiße Plastikpistole an, die er mit beiden Händen umschlossen hält – und feuert sie auf ein Ziel außerhalb des Blickfelds der Kamera. Dem gedämpften Knall und dem Rückstoß der Waffe folgt Stille.

Reisenotizen aus Fernwest

Ich stelle mir vor, wie ich, wenn ich eines Tages an einem Ort bin, ihn zu gleicher Zeit auch literarisch entdecke, sich mir dadurch dieser Ort dialektisch erschließt: an den Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen ›Realität‹ und ›Fiktion‹, zwischen dem Gesehenen und dem Erlebten. Doch nie überträgt sich das in meine Realität.

Easter 1916

Ein Gedicht schafft Helden, deren schwenkenden Fahnen die Euphorie um die Geschlechtergleichheit manchmal verweht. Was richtete Yeats da bloß an, als er »Easter 1916« schrieb?

Wenn wir »Berlin« sagen

Was wäre falsch daran gewesen, wäre unser Bedauern fortan ein Hintergrundrauschen in den Straßen von Berlin und anderswo. Doch unser Kummer war nicht andauernd, die Kondolenz wohl dosiert. 

Wer hört die Stille?

Der amerikanische Komponist John Cage trieb das auf die Spitze, in dem er in seinem Werk 4'33'’ das Publikum mit vier Minuten und 33 Sekunden Stille konfrontiert. Wie fühlt sich die Zeit an, wenn man dasitzt und darauf wartet, dass Töne erklingen? Und wie fühlt sie sich an, wenn man schon weiß, was auf einen zukommt, wenn man mit viereinhalb Minuten Stille rechnet?

Vergessen

Ich vergesse vieles von dem, was mir unbedeutend erscheint. Ich nehme alles (vermutlich überdurchschnittlich) selektiv wahr: Namen, Wege, Ereignisse, Städte, Prozesse, Gedanken. Dabei geht einiges verloren. Allerdings erscheint mir vieles von Bedeutung und was mir bedeutend erscheint, vergesse ich (vermutlich überdurchschnittlich) wenig.

Ich denke also geh ich

Die Enge und die Freiheit, die das universitäre Leben verspricht, scheinen einander diametral gegenüberzustehen. Ein weitreichender Irrglaube wie Philipp Hübl kürzlich offenbarte. Denn gerade der Ort, den wir am ehesten mit der Produktion von Wissen assozieren, ist in sich begrenzt.